nach dem Scheinfrei, keimfrei

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Samstag, 20.02.2010 isch blogge...

...über ein spannendes 2010, in dem ich mich als PJler versuche, also der letzten großen Pflicht vor dem Examen (mal abgesehen von der Pflicht, die sich ergibt, wenn man so ein Examen erfolgreich hinter sich bringen will Schreien).

Spannend wird es in vielerlei Hinsicht werden, obwohl auch ein ordentlicher Alltagswind wehen wird, so viel ist sicher. Aber davon werd ich mir wohl kaum die gute Laune verderben lassen, ich hab da nämlich schon ein wenig vorgesorgt:

Den Start erlebe ich in Plauen, wo ich den OP-Trakt unsicher machen werde. Jetzt werden sich manche fragen: Plauen, was will man denn in Plauen? Aber ich bin mir sicher, dass die 66.000 Einwohner zählende Stadt und die Umgebung, also Vogtland und Erzgebirge, einiges an Spaß bereit halten. Und der Fakt, dass ein Kommilitionenfreund mit ähnlichen Interessen seine Zeit hier verbringt, macht den Aufenthalt gleich noch viel angenehmer.

Zu diesem Zeitpunkt ist auch schon der erste Plan aufgegangen: von den 400m ü. NN in Plauen sind wir nach Grünbach gefahren, das auf 800m liegt. Dort herrschen noch jetzt ordentliche Langlauf-Bedingungen. Für mich also eine Premiere auf Langlauf-Ski. Nur so viel: ich habe schon ordentlich Schnee gefressen!

Loipen-Aktion

Weitere Aktivitäten im kommenden Frühling bis hin zum Sommer sind selbstverständlich geplant. 

Später dann, ab Mitte Juni, wo die Sonne auf der Nordhalbkugel am höchsten steht, werde ich nach Bergen fahren, um die nächsten 4 Monate zu verbringen. Sicherlich DAS Abendteuer, was wohl am meisten Aufmerksamkeit erhalten wird... eine kleine Parallele zu meinem Austauschjahr in Texas; ein längerer Auslandsaufenthalt bringt ja immer ein wenig Aufregung mit sich. Und diese würde ich gern mit allen teilen, die daran interessiert sind oder aber derartige Informationen benötigen, um ruhig zu schlafen Winken

Nach Bergen weiß ich noch nicht so 100%ig, was passieren wird. Aber vorraussichtlich werde ich das letzte Tertial in Leipzig verbringen, wenn nicht ein Lottogewinn dazwischen kommt (träumen wird man wohl noch dürfen). Aber dazu später mehr. Jetzt heißt es erst einmal hier die Zeit genießen und sprachlich noch ein paar Fortschritte in Norwegisch machen. Es wird straff!

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Sonntag, 07.03.2010 weitere Missionen...

Zwei Wochen, das heißt ein Achtel der Zeit in Plauen sind also schon rum. Schneller, als einem lieb sein kann. Trotzdem ist die Zeit sehr intensiv und aufregend. Die Kennenlernphase ist damit in den letzten Zügen. Die Örtlichkeiten sind mir nicht mehr allzu suspekt, mit den meisten Kollegen hatte ich bereits nahen Kontakt und kenne sie ein wenig besser und mit der Software, mit der ich arbeiten muss, bin ich auch besser vertraut.

Ich kann mich bis hier her wirklich nicht beklagen. Unter anderem, weil ich am Ende der ersten Woche gefragt wurde, ob ich denn mal Chirurg werden will. Nun ja, die Absicht besteht natürlich und habe mit "Ja" geantwortet. Seitdem wurde ich also 2 mal spontan zu Eingriffen in den OP beordert, mit dem Zusatz, dass ich doch Chirurg werden will. Ebenfalls nicht selten stand ich für die regulär geplanten OPs als Assistent auf dem Plan und einmal wurde ich schon ins kalte Wasser geschmissen, um als Operateur zu fungieren, um einen Port (ein Dauerhafter venöser Zugang bei Patienten, die eine Chemotherapie erhalten sollen) zu implantieren. Der Umgang ist sehr nett und ich hab das Gefühl, dass alle sehr geduldig sind. Man vergisst ja als Spezialist immer schnell, wie es bei einem selber am Anfang war und setzt ab und zu bei anderen viel Voraus. Aber auch da hab ich schon Zugeständnisse gehört, dass die jetzigen Spezialisten ebenfalls anfangs keine Ahnung hatte, selbst bei einfachen Sachen. 

Unter Medizinstudenten ist ja das Haken halten in der Chirurgie immer sehr verschrien. Also eher eine passive Teilnahme an dem, was gemacht wird. Bisher sehe ich es aber noch nicht so dramatisch, da man am Anfang keinen Überblick hat, was eigentlich gemacht wird (und in der Allgemeinchirurgie in den unterschiedlichsten Operationen) und man auf banalste Dinge acht geben und lernen muss. Da wird selbst das steril bleiben, bevor so eine Operation erstmal los geht, zu einer Hürde und Inhalt immer wiederkehrender Hinweise. Nach und nach, wenn dann die ersten kleinen Schritte gemacht sind, werden größere folgen, da habe ich hier in PLAUEN wahrscheinlich gute Voraussetzungen. 

In der Vergangenden Woche habe ich mich ein wenig um den sozialen Kontakt zu hier lebenden Bürgern gekümmert. Ich habe dem hier vorhandenen Volleyballverein einen Besuch abgestattet, bei dem ich mich nach getaner Arbeit austoben will. Die Jungs haben ein gutes Niveau, bei dem ich mich wohl fühle. Auch außerhalb vom Volleyball wurde ich auf Mountainbike-Touren eingeladen, wenn dann der Frühling im Vogtland Einzug hält. Seit gestern gibt es nämlich wieder frischen Neuschnee, der mich einmal mehr in den Genuss des Langlaufs bringen wird. Nach dem anbrechenden Lenz kam der aber eher überraschend und sogar ein wenig ungünstig. Eigentlich wollte ich mit Jenni, einer Abimitstreiterin eine Wanderung zu einer nahe gelegenen Talsperre und der Elsterbrücke machen. Der kalte Wind, der uns die Flocken ins Gesicht drückte, erzwang allerdings eine Planänderung. Geplanter Weise habe ich mit ihr das hier vorhandene "Boulderstübchen" zum ersten Mal besucht. Ein privat ausgebauter Raum, bei dem ich wohl entgültig die Technik des Überhangkletterns erlernen werde! Denn entweder es gibt leichte Strecken in der senkrechten Wand, oder anspruchsvolle Strecken unter dem Dach. Mittelmäßiges war eher spärlich vorhanden. Aber auch hier sind die Leute nett und interessiert! Eine Fahrt nach Hause haben wir ebenfalls erhalten... fragen kostet ja bekanntlich nichts Winken. Und auch hier könnten sich nette Kontaktmöglichkeiten ergeben.

Es entwickelt sich also...

 

 

 

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Sonntag, 21.03.2010 don't push me, I'm close to the edge...

...manchmal steckt man schneller in Situationen (in denen man eigentlich gar nicht sein will), als man denkt! Dies ist jedenfalls das Resumé der letzten Woche! Der Grund dafür ist, wie schon so oft gehört, der Mangel an Personal. Aber ich glaube nicht, dass es ausschließlich ein Problem im medizinischen Fach ist! Allerdings lässt sich in dem gesundheitlichen Dienstleistungssektor die tägliche Arbeit nicht mal einfach so auf den nächsten Tag verschieben. Das Krankwerden der Menschen unterliegt bisweilen keiner Systematik. Jedenfalls wurde dies in keiner einzigen Studie belegt. Vollkommen verständlich also, dass dann Arbeitsstellen von schwangeren Arztkolleginnen einfach nicht durch andere Arbeitskräfte ersetzt werden. Ganz im wirtschaftlichen Sinne eben. Dies ist nun der Beginn des Spagats zwischen Theorie und Praxis.

Die Theorie (vom Oberarzt vorgeschlagen): bei dem Ausbildungsstand als PJler sollte man einen Facharzt haben, dem man viel hinterher rennt und für Kleinigkeiten selber zuständig ist. Die Praxis: manchmal ist nicht einmal ein Assistenzarzt für Fragen eines Einsteigers da und so kann es vorkommen, dass man für einen halben Tag ganz auf sich alleine gestellt ist. Aber die Erwartungen bleiben trotzdem, zumindest die der Patienten, nicht selten auch von den Schwestern: schließlich hat man schon als PJler einen weißen Kittel an, man ist also Doktor! 

Fehler bleiben da selbstverständlich nicht aus. Aus diesen lernt man ja bekanntlicherweise. Sind sie notwendig? Nicht unbedingt!

Und so hatte ich das erste mal nur begrenzt Lust auf andere Aktivitäten nach getaner Arbeit. Aber das Skigebiet habe ich am Donnerstag nochmal unsicher gemacht. Da ich ja bisher nur die klassische Langlauftechnik geübt hatte, fehlte mir zumindest der Versuch des Freistil-Fahrens. Es hieß also wieder, die Bretter unter meinen Füßen, diesmal mit v-förmigen Gleiten unter Kontrolle zu bringen, was mir bei leichten Anstiegen auch gelungen ist. Aber dort wo es bergauf geht, dort geht es auch irgendwann mal wieder bergab und das war das eigentliche Abenteuer. Sturze blieben da natürlich nicht aus und somit habe ich eher schlecht gelungene Schneeengel in die Strecke gezaubert. Mit möglichen Konsequenzen für die anderen Skifahrer, die nun ein bisschen mehr Vorsicht walten lassen mussten. Da bekommt die Redewendung "unsicher machen" eine ganz realistische Bedeutung.

Von der Arbeit her wird es wohl eine Herausforderung werden, alles so zu koordinieren, dass am Ende nicht zu viel auf der Strecke bleibt. 

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Sonntag, 11.04.2010 "time is flying by" oder auch Bergfest

Ja, mit den zehn Tagen frei, die mir in diesem Tertial zustehen, kann ich theoretisch die oben genannte Bilanz ziehen! Unentschieden

Es war in letzter Zeit doch immer noch sehr wechselhaft, was meine Erlebnisse in dem Klinikalltag betrifft. Dies ist nach wie vor der schon beschriebenen Situation des Personalengpasses anzulasten. Trotz alledem fühl ich mich ein bisschen wohler, weil ich nicht mehr in der Mehrzahl der Situationen, wie es anfangs zu Genüge vorkam, auf Hilfe angewiesen bin und ein gewisses Maß an Selbstständigkeit entwickelt habe. Jetzt hoffe ich, dass mir nebenbei auch noch gut verständlich, fachliche Informationen vermittelt werden, also der eigentliche Lerneffekt einsetzt. Aber eben auch Abläufe und andere alltägliche Gegebenheiten müssen erstmal verinnerlicht werden! Für mich ist dies die Grundlage, um mich auf die fachlichen Informationen ausreichend konzentrieren zu können. Es wäre also doch sehr pessimistisch zu sagen, dass ich bisher erst wenig gelernt habe. Das dies nicht der Fall ist, merkt man dann besonders, wenn neue PJ-Kollegen aufkreuzen. Seit letzter Woche genieße ich nämlich den Luxus, mir die Arbeit mit 2 weiteren Komillitonen zu teilen. Und obwohl die schon ihr 3. Tertial bestreiten, fängt man doch in einer neuen Fachrichtung wieder sehr weit von vorne an. Ich bin mir sicher, dass ich von dieser Erfahrung nicht verschont bleiben werde. Also heißt es jetzt Einweisung und Informationsweitergabe zu tätigen, damit wir uns später gegenseitig den Rücken freihalten können.Cool

Ansonsten gestaltet sich das restliche Leben drum herum doch sehr entspannt. Bouldern konnte ich in letzter Zeit leider nicht gehen, da ich anscheinend vor dem PJ zu oft am Felsen gehangen hab und sich dabei vermutlich eins meiner Ringbänder etwas entzündet hat. Aber anderweitig Ausgleich gibt es ja genug. Unter anderem habe ich die ersten Touren mit dem Mountainbike erlebt. Die letzte konnte ich mit Andreas dann querfeldein erleben, da auch er endlich sein MTB hier in Plauen hat. Vorher hab ich mich hinter seinem Rennrad quälen müssen, da zwischen diesen doch ein beachtlicher Unterschied der Rolleigenschaften besteht. Leider ist es überwiegend noch sehr kalt hier. Der Unterschied zu Leipzig war letzte Woche gewaltig. Bei meiner Ankunft im Flachland hätte ich mich auch gut in kurzen Hosen draußen aufhalten können. Hier hingegen sind fast noch Handschuhe zum Fahrradfahren notwendig. Nun ja, aber was will man auch von einer Stadt erwarten, die ganz in der Nähe des kältesten Ortes Deutschlands, nämlich Morgenröthe Rautenkranz und der Heimat des ersten deutschen Kosmonauten, der im Weltraum war, also Sigmund Jähn, liegt. Dies jedenfalls sollte man wissen, wenn man hier in der chirurgischen Abteilung arbeitet. Es könnte sein, dass man auf Leute trifft, die solch Wissen vorraussetzen. Aber das nur nebenbei! Überrascht

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Donnerstag, 10.06.2010 Abschließend -

- würde ich gerne noch ein paar Worte über die letzten Wochen meines Aufenthalts in Plauen verlieren. Die Einträge wurdne auf Grund meiner demotivierenden Arbeitsbedingungen weniger und ich kann nicht leugnen, dass in der Zeit auch öfter Zweifel aufgekommen sind. Zweifel darüber, wie es läuft und ob ich auf diese Art und Weise mithalten könnte.

Ich muss schon sagen, dass die Theorie eines lernenden PJ'lers, die aus dem Arbeitsvertrag und dem Abschlussgespräch hervorgegangen sind, gar nichts mit der Praxis in der Zeit zu tun hatten. Denn ich hatte nie das Gefühl, Zusatz zu sein, sich also  Abläufe und Tricks von erfahrenen Kollegen abzuschauen und das theoretische Wissen mit den täglichen Abläufen zu verbinden. Stattdessen war ich mehr auf mich alleine gestellt und Feedback war nur sehr spärlich, was natürlich den eigentlichen Lernvorgang etwas verzögert.

Für etwas Abwechslung sorgte dann meine neue Kollegin Rima, die ihr letztes Tertial in Angriff nahm und demnach auch schon etwas besser drauf war, sowohl theoretisch, als auch bei klinischen Abläufen im Alltag. Aber sie stellte ebenfalls schnell fest, dass die Bedingungen nicht gerade die besten für einen fundierten Wissenszuwachs und dem praktischen Erfahrungssammeln sind. In einem abschließenden Gespräch mit einem jungen Kollegen aus der Anästhesie am letzten Freitag meines Aufenthaltes wurde es mir noch einmal vor Augen geführt, das ein Heranführen an diesen Beruf eigentlich nur wünschenswert ist, gerade weil wir auch meinen, einen hohen Standard zu haben. Nur wenn keiner praktisch Wert darauf legt, erscheinen die guten Vorsätze irgendwie wertlos.

Ich habe allerdings eine nette Region kennen lernen dürfen, wo man sich ganz gut austoben kann, auf dem Rad, auf Ski, zu Fuß. Zu Pfingsten habe ich eine kleine Wandertour mit meiner Familie veranstalten, wo wir unter anderem einen Teil des Vogtlandwanderweges entdeckt und genoßen haben und die Vogtlandarena in Klingenthal im wahrsten Sinne des Wortes unsicher machte. Aber auch das Triebthal, was ich noch einmal mit dem MTB erobert hatte, ist ein Ausflug wert. 

Wie dem auch sei, jetzt sitze ich schon in Norwegen und bin hier auf ganz andere Weise gefordert. Wie? Das gibt es hier bald zu lesen... ich plane für's kommende Wochenende, da der Wetterbericht wie so häufig hier in Bergen, Regen vorraussagt!

 

 

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